Gesund in die Zukunft!

31.03.2020

Die Spitex Region Birs und die Spitex Pratteln-Augst-Giebenach machen sich Sorgen… nicht um das Heute, sondern um das Morgen.

Die Situation um das Corona-Virus ist für alle belastend. Neben den normalen Anforderungen des Pflegealltags kommen nun zusätzliche Anforderungen im Bereich Hygiene, Social Distancing und die persönlichen Themen wie Sorge um die eigenen Angehörigen und die eigene Gesundheit dazu.
In den letzten Tagen wurde vom Bundesrat und vom BAG zwei Entscheide gefällt, die wir in diesem Zusammenhang hinterfragen möchten. Erstens wurden die arbeitsrechtlichen Vorgaben für das Personal in den Spitälern ausser Kraft gesetzt, es müssen also keine Ruhezeiten und Pausenregelungen mehr eingehalten werden. Zweitens können auch hoch gefährdete Mitarbeitende in der Versorgung der Patienten in den Spitälern, Heimen und Spitex eingesetzt werden. Diese zwei Entscheide sind bei genauerem Hinsehen, zum jetzigen Zeitpunkt für uns unverständlich. Ohne klare arbeitsrechtliche Vorgaben wird das Personal bis zur Erschöpfung arbeiten, keiner wird darauf aufmerksam machen, dass Erschöpfung gesundheitsgefährdend ist und dies mittel- bis langfristig Konsequenzen für die Betroffenen haben kann. Nach der Corona-Krise müssen alle verschobenen Operationen und Routineeingriffe nachgeholt werden, also wird auch da ein hoher Druck auf das Personal entstehen. Es wird nichts mit «zurücklehnen» und «die coronafreie Zeit geniessen. Es besteht die Gefahr, dass überlastetes Personal krankheitshalber längere Zeit nicht zur Verfügung steht und der Druck auf alle Verbleibenden steigen wird, was wieder zu Ausfällen führen kann. Dasselbe gilt für den Einsatz von hoch gefährdeten Mitarbeitenden, vom problemlosen Einsatz über Ansteckung mit Komplikationen bis zur lebensgefährlichen Intensiv-Situation ist alles möglich. Wir sind auf diese Mitarbeitenden auch nach der Corona-Zeit angewiesen. Wir müssen diese Mitarbeitenden schützen, damit sie gesund bleiben und uns weiterhin zur Verfügung stehen. 
Das Gesundheitswesen steht seit längerer Zeit vor fast nicht lösbaren Problemen. Bis zum Jahr 2030 fehlen voraussichtlich 65'000 Pflegefachkräfte! Im Moment wird knapp die Hälfte der benötigten zukünftigen Mitarbeitenden ausgebildet. Die Arbeitsbedingungen sind auch ohne Corona-Virus nicht sehr attraktiv. Kein Beruf verzeichnet so viele Aus- und Umsteigerinnen wie die Pflege, weil, trotz aller Freude am Beruf, die Belastung teilweise einfach zu gross ist, häufig die Batterien leer sind und die Ruhezeit nicht zum Aufladen reicht. 
Es tut zwar im Moment gut, wenn die Leistung und der grosse Einsatz der Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, wertgeschätzt werden und die halbe Schweiz 1 Minute klatscht um die Anerkennung zu zeigen, aber die grundsätzlichen Probleme löst dies nicht. Es sind nachhaltige und kreative Ideen und daraus resultierende Lösungen gefragt.
Die Spitex Region Birs und die Spitex Pratteln-Augst-Giebenach halten sich unverändert an alle präventiv schützenden Massnahmen. Wir versuchen akribisch die Ansteckungsgefahr für unsere Klientinnen, Klienten und Mitarbeitenden auf ein Minimum zu reduzieren. Wir werden erst im allerletzten Moment grundsätzliche Rechte wie Pausen und Ruhezeiten in Frage stellen und wenn es doch nötig wird nur für eine begrenzte, möglichst kurze Zeit. Die individuelle Situation von hoch gefährdeten Mitarbeitenden wird jetzt schon sorgfältig geprüft und nach einvernehmlichen und vertretbaren Lösungen gesucht.
Wir sind froh, dass unsere Mitarbeitenden mit viel Energie und Flexibilität mithelfen, die Situation zu meistern. Noch mehr freuen wir uns, wenn sie auch in ein paar Jahren noch zu unseren zufriedenen und gesunden Mitarbeitenden gehören, mit denen wir gemeinsam die nächste Herausforderung meistern werden.

Titus Natsch
Direktor der Spitex Region Birs und Spitex Pratteln-Augst-Giebenach

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