Die Spitex Region Birs und die Spitex Pratteln-Augst-Giebenach unterstützen die Pflegeinitiative

12.09.2021 - 29.11.2021

 

Am 28. November 2021 stimmen wir über die Pflegeinitiative des Berufsverbands der Pflegefachpersonen ab. Die Initiative verlangt die Ausbildung von genügend Pflegefachpersonen, die Sicherung der Pflegequalität und faire Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal. Dem Parlament gehen diese Forderungen zu weit; im indirekten Gegenvorschlag ist nur noch eine Ausbildungsoffensive und eine Kompetenzerweiterung für das Pflegepersonal enthalten.

Für die Ausbildungsoffensive sollen für die gesamte Schweiz fast eine Milliarde Franken über 8 Jahre verteilt bereitgestellt werden.

Was heisst das? Es stehen zum Beispiel für die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft ca. 80 Millionen Franken über 8 Jahre zur Verfügung, also ca. 10 Millionen pro Jahr. Wenn ich mir jetzt vorstelle wie viele Organisationen es gibt, die ausbilden und an diesem «Kuchen» teilhaben möchten, bleibt wohl für die einzelne Organisation nicht viel übrig und nach 8 Jahren wird der Geldhahn zugedreht und wir stehen wieder mit leeren Händen da. Im Weiteren überlegen wir uns Folgendes, wir können mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, aber wer soll die zusätzlichen Lernenden und Studierenden begleiten? Die bereits am Anschlag laufenden Pflegefachpersonen oder die 40% bereits vor dem vierzigsten Lebensjahr ausgestiegenen Pflegefachpersonen? Der Gegenvorschlag lockt auch mit mehr Kompetenzen für die Pflegenden, allerdings verbunden mit einem zusätzlichen «Kontrollmechanismus», dies ist so im Gegenvorschlag formuliert, damit wir ja nicht zu viele Pflegeleistungen abrechnen und das Gesundheitswesen nicht verteuern. Zusätzliche Kontrollen bedeuten zusätzlichen administrativen Aufwand, dies ist das allerletzte was wir in der jetzigen Situation gebrauchen können mit derselben Anzahl Mitarbeitenden zusätzlichen administrativen Aufwand zu betreiben. Es ist ganz sicher nicht die Pflege, die in den letzten Jahren die Kosten in die Höhe getrieben hat und ausserdem ist hier auch ein Misstrauen von politischer Seite spürbar.

Die Pflegeinitiative greift tiefer, neben der Ausbildungsoffensive, die ganz sicher nötig ist, werden weitere Themen aufgenommen. Die Arbeitsbedingungen der Pflegenden und die Qualitätssicherung der Pflegearbeit. Nur wenn alle Themen gleichzeitig angegangen werden, kann eine nachhaltige Verbesserung der Situation erreicht und vor allem ein Verbleib der Pflegenden im Beruf gesichert werden. Natürlich ist die Pflegeinitiative noch nicht ausformuliert, natürlich braucht es Definitionen, wie die Inhalte der Initiative umgesetzt werden sollen und natürlich wird es Zeit brauchen um die umfassende Umsetzung anzugehen. Diese Zeit müssen wir uns nehmen – und vermutlich wird die «Sanierung» der Pflege mehr als eine Milliarde kosten. Der indirekte Gegenvorschlag lockt mit «schnellem Geld» und Kompetenzerweiterung, ist aber nicht durchdacht und hat, unserer Meinung nach, keine Nachhaltigkeit. An der Spitex-Fachtagung vom 8. September in Bern versuchte Ständerat Erich Ettlin, seines Zeichens Vorstandsmitglied von Spitex Schweiz, den Anwesenden «den Speck» in Form des Gegenvorschlags durch den Mund zu ziehen, er betonte, dass das Geld für die Ausbildungsoffensive schnell bereitgestellt werden könne, bei genauer Betrachtung wird dieser «Speck» aber zur «ranzigen Schwarte», die einem im Hals stecken bleibt.

Uns überrascht auch, dass der Spitex-Verband Schweiz und andere Verbände von Leistungserbringern, sich für den indirekten Gegenvorschlag aussprechen. Ist dies ein Kniefall vor der Politik oder lockt auch hier das schnelle Geld? Wir wissen es nicht. Wir wünschten uns aber, dass unser Verband, der fast ausschliesslich Pflegende vertritt, sich voll und ganz hinter die Pflegeinitiative stellen könnte.

Wir wünschen uns auch, dass alle, die schon einmal Pflege benötigt haben, aktuell Pflege benötigen oder in Zukunft Pflege benötigen werden, ein überzeugtes Ja für die Pflegeinitiative in die Urne legen. Bei erfolgreicher Abstimmung werde ich, ich verspreche es, auf dem Balkon für die weitsichtigen Abstimmenden Beifall klatschen und vielleicht tun dies noch viele andere Pflegende. Schön wäre es…!

 

Aufgrund all dieser Überlegungen sind die Spitex Region Birs und die Spitex Pratteln-Augst-Giebenach ohne Einschränkungen für die Pflegeinitiative.

 

Reinach, September 2021/T. Natsch

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